Alaska Highway (USA / Canada)

Der Alaska Highway gehört neben der Route 66 und dem Highway 1 in Kalifornien zu den drei berühmtesten Straßen Nordamerikas. Er ist eine Legende. Den Highway einmal im Leben gefahren zu sein, ist der Traum eines jeden Motorradfahrers, Campers oder Alaska-Touristen. Auch ich hatte diesen Traum und habe ihn mir im Jahr 2000 auch erfüllen können.

Die Straße ist 2197km lange und führt von Dawson Creek in der kanadischen Provinz British Columbia bis nach Delta Junction im US-Bundesstaat Alaska. Da man weder nach Dawson Creek, noch nach Delta Junction fliegen kann, beginnt das Abenteuer Alaska Highway in Edmonton, Alberta und endet in Fairbanks, Alaska. So wird die Strecke rund 700 km länger und beginnt bzw. endet in zwei sehr lebhaften Städten, die gut von Europa aus per Linienflug erreicht werden können. Früher war für die Straße ein SUV oder sogar Allrad-Fahrzeug notwendig. Da die Straße seit 1960 aber komplett asphaltiert ist, genügt auch ein Mittelkasse-Mietwagen.

Meine Reise begann in Calgary, Alberta, da ich nach einer Saison als Skiguide für Stumböck Club in Banff gerade fertig war. Von dort ging es mit einem bei Driving Force gemieteten Dodge Ram nach Norden. Edmonton ist ein exzellenter Ausgangspunkt. Hier kann man sich in den großen Supermärkten noch mit Proviant versorgen und auch den Wagen noch einmal volltanken, ehe es für die nächsten Tage in sehr einsames Gebiet geht. Nutzen Sie die Zeit, um noch einmal eine Großstadt zu genießen. Edmonton ist mit seiner Lage am North Saskatchewan River schon von Weitem eine Attraktion. In der 1,1, Millionen Einwohner zählenden Stadt gibt es weitere zahlreiche Sehenswürdigkeiten, die man nicht verpassen sollte. Historisch interessant sind das Fort Edmonton aus dem Jahr 1885 und das Royal Alberta Museum, das sich mit der Geschichten der Ureinwohner beschäftigt, also den Stämmen der Metis, Blackfoot und Cree, die vor dem Eintreffen des Weißen Mannes in dieser Region gelebt haben. Modernste Architektur kann man mit der Art Gallery of Alberta und dem Rogers Place bewundern. Letzterer ist die Heimat der Edmonton Oilers aus der National Hockey League mit den vielleicht besten Eishockey Spielern ihrer Generation, Connor McDavid und Leon Draisaitl. Beeindruckend ist auch die West Edmonton Mall. Von seiner Eröffnung 1981 bis ins Jahr 2004 war der Komplex das größte Shopping Center der Welt. Heute ist es "nur" noch das größte Einkaufszentrum Nordamerikas und das sechstgrößte der Welt. Wer vor der Fahrt auf dem Alaska Highway noch einmal richtig shoppen möchte, der hat die Wahl zwischen 800 Geschäften. Bei Hunger stehen über 100 Restaurants zur Auswahl. Man kann seine Zeit aber auch im Freizeitpark Galaxyland, im World Aquapark oder im Aquarium verbringen. Hotels und 26 Kinosäle runden das Angebot ab. 

Man verlässt Edmonton in westlicher Richtung auf dem Yellowhead Highway 16. Dieser verbindet Manitoba mit der Provinz British Columbia und ist nach dem Trans Canada Highway die zweitlängste Ost-West-Verbindung in Kanada. Die Route führt durch fruchtbares Farmland bis nach Manly Corner, wo der Highway 43 nach Norden abzweigt. Die Strecke ist nun recht eintönig. Über 540km geht es in nordwestlicher Richtung immer weiter durch Farmland und riesige Laubwälder. Noch gibt es zahlreiche kleine Orte wie Fox Creek oder Valleyview, wo man auftanken oder Verpflegung kaufen kann. Je weiter man nach Norden kommt, desto weniger Ortschaften liegen am Rande des Highways. Kurz hinter der Grenze zu British Columbia hat man dann Dawson Creek erreicht.

Dawson Creek ist eine kleine, rund 12000 Einwohner zählende Farmergemeinde, die dem Reisenden ein letztes Mal zahlreiche Hotels, Motels und Tankstellen bietet. Sie ist die "Mile O City" und somit der Startpunkt des Alaska Highway. Vom Wegmarker 0 des Alaska Highway einmal abgesehen, hat Dawson Creek keine Sehenswürdigkeiten. 

Von hier ab folgt man Highway 97, der in British Columbia den Alaska Highway darstellt. Die Landschaft ist auch weiterhin recht eintönig. Aus den Laubwäldern wurden inzwischen hauptsächlich Nadelwälder. Fort Nelson ist dann wieder ein Ort, der einen Zwischenstopp lohnt. Zum einen kann man hier wieder übernachten und auch tanken. Zum anderen sollte man sich das Fort Nelson Heritage Museum nicht entgehen lassen. In Fort Nelson macht der Highway 97 fast eine 90° Kurve nach Westen. Von nun an fährt man direkt auf die Rocky Mountains zu. Die Gegend wird hügeliger und noch grüner. Schon bald sieht man die ersten Berge vor sich. Summit Lake und der Baba Canyon sind dann die ersten echten landschaftlichen Hingucker. Von nun an ist es eine einmalige Reise durch eine der schönsten Berglandschaften der Welt. 

Entlang des Mc Donald Creek geht es weiter nach Norden ehe an dem Zusammenfluss mit dem Toad River eine weitere 90° Kurve vor einem liegt. Erneut geht es nach Westen. Im Tal des Toad River durchquert man die bis zu 2000m hohe Sentinel Range und erreicht bald einen weiteren optischen Höhepunkt, den Muncho Lake. Über 12km geht es direkt am Ufer des sehenswerten Bergsees entlang immer weiter nach Norden bis man auf den Liard River trifft. Der fischreiche Fluss ist nun immer an der linken Seite des Alaska Highways. Menschen sind in dieser Gegend nun immer seltener. Da kann man schon eher auf Caribou Herden oder vereinzelte Elche treffen. Wieder biegt der Highway nach Westen ab und durchfährt für wenige Kilometer bereits den Yukon. Mal nördlich und mal südlich der Grenze zum Yukon Territory schlängelt sich der Highway weiter entlang des Liard Flusses nach Westen. Lower Post ist auf Seiten British Columbias die letzte Möglichkeit zu Tanken, Watson Lake auf Seiten des Yukon ist etwas größer und gilt als das Tor zum Yukon. Bekannt wurde der Ort durch den sehenswerten Sign Post Forest. Der Schilderwald wurde 1942 von einem heimwehkranken Soldaten begonnen und besteht heute aus ungefähr 80 000 Straßen- und Ortsschildern aus aller Welt. Heute zählt der Sign Post Forest zu den größten Touristenattraktionen entlang des Alaska Highway.

Dieser verläuft von nun ab als Highway 1 nach Westen. Noch einmal führt er für einige Kilometer nach British Columbia, ehe er am Morley Lake endgültig in den Yukon eintritt. Weiter durchfährt man endlose Wälder, Büffel und Elche sind nun regelmäßig am Straßenrand zu sehen und die Flüsse, die einem entlang des Highways begleiten, sind voll mit Forellen und Lachsen.  

Ein nächster Höhepunkt ist der nicht weit entfernte Teslin Lake mit der gleichnamigen Ortschaft. Die waldreiche Hochgebirgslandschaft wird hier durchzogen von einem 144km langen See. der zum Teil im Yukon Territory und zum Teil in B.C. liegt. Er wird durchflossen vom Teslin River, der wiederum ein Nebenfluss des berühmten Yukon River ist. Goldgräber kamen einst in diese Gegend und gründeten die Siedlung Teslin. Heute ist es ein kleines Örtchen ohne große Bedeutung. Die Landschaft drumherum ist jedoch beeindruckend.

Zwei Stunden sind es nur noch von Teslin in die Hauptstadt des Yukon, Whitehorse. Landschaftlich ist es einer der schönsten Abschnitte des Alaska Highways. Es geht vorbei an zahlreichen Seen, wie dem Little Teslin Lake, dem Squanga Lake oder dem großen Marsh Lake. Einer sit schöner wie der andere. Hoch aufragende Berge säumen die Ufer und zahlreiche Indianerreservate werden passiert. Die größten Gruppen an Indigenen im Yukon sind die Carcross, Tagish und Kwanlin Nation. 

Whitehorse ist mit 25 000 Einwohnern die größte und wichtigste Stadt des Yukon Territory. 1898 zu Zeiten des Klondike Goldrausches gegründet, hatte Whitehorse auch gleich zu dieser Zeit ihren Höhepunkt. Heute ist sie die wichtigste Stadt der Region, die einzige in dieser Gegend mit einem Internationalen Flughafen und der größte Knotenpunkt am Alaska Highway. Nach tagelanger Einsamkeit sind die Motels, Restaurants, Bars und Sehenswürdigkeiten ein Segen für die Reisenden auf dem Alaska Highway. Zahlreiche Museen über die Geschichte des Yukon und der Stadt, der sehenswerte Yukon Visitor Center und die SS Klondike locken Besucher an. Die SS Klondike fuhr zu Zeiten der Goldgräber die Strecke hinauf nach Dawson City in 36 Stunden. Heute fährt man die Strecke entlang des Yukon River auf Highway 2 in 6 Stunden.

Der Alaska Highway verläuft aber weiter auf Highway 1. Rund 2 Stunden geht es nun nach Westen immer auf die Elias Mountains zu. Der Mount Logan mit seinen 5959m ist der höchste Gipfel Kanadas. Die Landschaft ist grandios. Der schönste Teil des Alaska Highways liegt nun direkt vor einem. Der Kluane National Park erstreckt sich über 22 000qkm im südwestlichsten Eck des Yukon Territory und bildet zusammen mit dem auf US-amerikanischer Seite liegenden Wrangell St. Elias National Park eines der größten geschützten Wildnissgebieten der Erde. Seit 1979 ist dieser Teil Nordamerikas UNESCO Weltnaturschutzgebiet. Spektakuläres Hochgebirge, glasklare Seen, eindrucksvolle Gletscher und wundervolle Wanderwege ziehen zahlreiche Touristen an. Aufgrund der Größe des Parks kann man dennoch sicher gehen, dass man im Kluane National Park die meiste Zeit seines Besuches einsam und alleine unterwegs ist. Nehmen Sie sich Zeit auf diesem Teilstück des Alaska Highways. Wandern Sie unterhalb der 17 von 20 der höchsten Gipfel in Kanada. Campen Sie in der grandiosen Natur und seien sie auf der Hut vor den Bären des Parks. Oder machen Sie eine aufregende Rafting Tour auf  dem Alsek River. 

Haines Junction ist ein guter Ausgangspunkt für den Nationalpark und ein exzellenter Ort, um Proviant für die nächsten tage aufzunehmen. Es ist nicht mehr ganz so einsam wie im Norden British Columbias, aber auch im Westen des Yukon sind größere Ansiedlungen rar. Über 4 Stunden fährt man in Nordwestlicher Richtung immer mit der Elias Mountain Range zur Linken und zahlreichen Seen, wie dem Kloo Lake oder dem Kluane Lake zur Rechten. 

Bei Alcan Border wird Kanada zu den Vereinigten Staaten, der Yukon zu Alaska und der Highway 1 zum Highway 2. Was sich nicht ändert, ist die großartige Landschaft. Schneebedeckte Berge im Westen und zahlreiche kleine Seen im hügeligen bilden ein traumhaftes Panorama. Wer nun in den Wrangell St. Elias National Park oder direkt nach Anchorage möchte, der muss an der Straßenkreuzung in Tok auf den Highway 1 westlich abbiegen. Wer den Alaska Highway auf seiner kompletten Länge befahren will, der fährt auf Highway 2 noch rund 200 Meilen weiter in nordwestlicher Richtung. Nach einer weiterhin spektakulären Fahrt vorbei an Gletscher bedeckten Bergketten endet der Alaska Highway in Delta Junction. Der 1000 Einwohner zählende Ort am Tanana River ist nicht weiter von Bedeutung. Hier geht der Alaska in den Richardson Highway über. Dieser führt nun direkt nach Fairbanks. Die zweitgrößte Stadt Alaskas liegt an der Mündung des Chena River in den gewaltigen Tanana River und hat rund 30 000 Einwohner. Die Sehenswürdigkeiten sind hier oben keine Museen oder Gebäude. Hier steht die Landschaft im Mittelpunkt. Wer dennoch ein wenig Geschichte erleben möchte, der besucht den alt-ehrwürdigen Pioneer Park, eine Art Freilichtmuseum.

Das Abenteuer Alaska Highway ist spätestens in Fairbanks vorbei. Das Abenteuer Alaska beginnt hier aber gerade erst. Fahren Sie weiter nach Süden in den Denali National Park oder nach Anchorage in die Hauptstadt. Bären beobachten im Katmai National Park, Elche besuchen im Wrangell St. Elias National Park, wandern und auf Gletschern laufen im Kenau Fjord National Park und Wale beobachten in den Gewässern des Golfes von Alaska; es gibt soo viel zu tun im größten US-Staat, daß man Monate hier verbringen könnte. Wer die Zeit hat, sollte bleiben, wer nach Hause muss, der hat auf dem Alaska Highway ein echtes Erlebnis gehabt, das nicht schöner, aber auch nicht einsamer sein konnte.