Das neben Deutschland, Österreich und der Schweiz vierte große Alpenland steht bisher selten auf meiner Urlaubsliste. Dies liegt nicht daran, daß es in unserem westlichen Nachbarland keine guten Skigebiete gäbe. Ganz im Gegenteil, immerhin 265 Skigebiete zählt man in Frankreich. Die meisten davon in den Alpen und den Pyrenäen, einige aber auch nahe der Cote d´Azur und drei kleine Resorts sogar auf der Mittelmeerinsel Korsika. Meine Abneigung liegt mehr in der Sprache und der arroganten Art der Franzosen. Leider habe ich bei meinen wenigen Besuchen Frankreichs immer wieder die Erfahrung gemacht, daß die Franzosen nur ihre Sprache sprechen wollen, auch wenn sie Deutsch oder zumindest Englisch sprechen könnten. So blieb es in meinem Fall bei bisher vier Besuchen in französischen Skigebieten.
Flaine - Le Grand Massif
Das moderne Skidorf Flaine liegt nur rund eine Stunde entfernt vom Genfer See. Ganze 80km fährt man vom Flughafen Genf in das Skigebiet, das daher auch mit dem Slogan "Fly In - Ski Out" wirbt.
Ich bin in den 90er Jahren ganz normal mit dem Auto nach Flaine gefahren und war von dem Skigebiet sehr begeistert. Schon der Ort liegt auf 1600m, so daß Schneesicherheit gegeben ist. 24 Lifte bringen den Schneesportler auf 265 Pistenkilometer und in ein Gebiet, dessen oberer baumloser Teil ein Traum für jeden Freerider ist. Auch das gebotene Panorama sucht auf der Welt seines gleichen. Immerhin hat man von fast überall den traumhaften Blick auf den mit 4810m höchsten Berg Europas, den Mont Blanc. Wie in fast allen französischen Skiresorts ist auch hier der Ort keine Schönheit. Er besteht hauptsächlich aus modernen Hochhäusern mit praktisch eingerichteten, aber selten gemütlichen Appartements. Dementsprechend sind Supermärkte auch häufiger als Restaurants anzutreffen. Auch wir hatten eines dieser Appartements gemietet und uns meist selbst versorgt.
Bei meinem Besuch dort mit Schulfreunden war Flaine noch nicht mit den Nachbar-Skigebieten verbunden. Heute kann man von Flaine auch in die tiefer gelegenen Samoens, Morillion und Les Caroz fahren. In der Realität sieht es aber meist so aus, daß die Besucher dieser Orte lieber in das Paradies für Freerider in das Gebiet am Le Grand Massif kommen.
Lac de Tignes
Etwas weiter südlich vom Genfer See und auch von der Olympiastadt Albertville liegt im Nationalpark de la Vanoise das Paradies für jeden Skifahrer. Das Skigebiet Espace Killy ist ein absolutes Mega-Resort und beinhaltet die Skigebiete von Val d´Isere und Tignes. Die Zahlen des Skigebietes sind imponierend und absolut beeindruckend. Über 70 Lifte bringen die Gäste auf über 300km Piste in einer Höhe zwischen 1500m und 3656m am Grand Motte Glacier. Hinzu kommen 3200 Hektar frei zu befahrendes Gelände. Das sind Ausmaße, die es so sonst nur in Nordamerika gibt. Vier moderne Skistationen beherbergen die Schneesportler von Val d´Isere bis Tignes 2100. Dazwischen liegen Tignes 1800 am Stausee Lac du Cheril und Tignes 1550 Les Brevieres. Letzteres hat das Alleinstellungsmerkmal, daß es der einzige gewachsene Ort der vier Genannten ist. Wer also in einem urigen Bergdorf seinen Urlaub verbringen will, der sollte dort sein Lager aufschlagen. Tignes 1800 und vor allem Tignes 2100 sind hochmoderne Skistationen mit praktischen aber häßlichen Appartementgebäuden, die vergleichbar sind mit anderen Skigebieten Frankreichs wie Flaine, Les Arc oder Avoriaz. Das Gelände ist jedoch absolut einmalig. Umgeben von einer Bergwelt aus 4000ern befindet man sich in einer Traumwelt aus Schnee und Eis. Mit dem Gletscherexpress geht es in schwindelerregende Höhe auf den höchsten befahrbaren Gletscher Europas. Der Grand Motte liegt auf einer Höhe von 3656m und ist auch im Sommer für Skifahrer geöffnet.
Ich war im Rahmen einer Fortbildung bisher einmal in Tignes 2100 und bin noch heue von den unendlichen Weiten des Gebietes begeistert. Für mich zählt es zu den besten Skigebieten der Welt und zu den "1000 places to see before you die".
Avoriaz 1800
Avoriaz 1800 liegt an der Grenze zum Schweizer Wallis und ist mit Liften und Abfahrten auch damit verbunden. Ich habe den Ort schon als Teil des Port du Soleil Skigebietes im Kapitel Schweiz abgehandelt, daher an dieser Stelle nur noch einmal ein kurzer Auszug. Avoriaz in 1800m Höhe ist Teil des größten Skigebietes der Welt. Da der Ort ziemlich genau in der Mitte unterhalb des 2466m hohen Gipfel des Les Haut Forts liegt, ist man in Avoriaz tatsächlich mitten drin statt nur irgendwo am Rand dabei. Auch dieser Ort sieht nicht hübsch aus, ist aber eine praktische Retortenstadt mit guten und günstigen Appartements. Alleine Avoriaz 1800 weist 34 Lifte und 75km Pisten auf. Zugang hat man jedoch zu unglaublichen 650 Pistenkilometern in zwei Ländern. Ich war mit einer Schülergruppe als Begleiter vor Ort und war von dem Skigebiet begeistert. Leichte Abfahrten für Anfänger wechseln sich mit Hängen für Experten ab. Avoriaz hat eine der schwierigsten Abfahrten weiltweit in seinem Gelände. Die Schweizer Mauer ist eine sehr steile Buckelkpiste mit extrem hohen Buckeln. Wer die Fahrt nicht riskieren möchte, kann mit dem Sessellift nach unten fahren. Ich bin die Mauer gefahren und hatte großen Spaß. Den Sessellift nach unten zu nehmen war für mich viel aufregender, da ich bis dahin noch nie einen so steilen Sessellift nach unten gefahren war.
Megeve
Östlich von Albertville und westlich von Chamonix liegt mit Megeve eine der wenigen Perlen der französischen Alpen. Megeve ist keine moderne Skistation wie seine großen Nachbarn. Megeve ist ein gewachsenes, traditionelles savoyardisches Dorf mit urigem Kern und schönen gutklassigen Hotels. Ganz nebenbei findet man hier auch noch ein sehr großes Skigebiet der Spitzenklasse. Zusammen mit seinen Nachbarorten bildet Megeve ein Resort mit 107 Liften und 445 Pistenkilometern. Auch hier ist für alle Leistungsklassen etwas dabei. Leider ist das Skigebiet nicht sonderlich hoch, so daß die Saison nur bis Ende März geht. In den Monaten davor findet man hier aber unglaublich gute Waldabfahrten, moderne Lifte und eben auch einen Ort mit Charakter. Mir gefiel der eine Tag, den ich hier in den 90er Jahren von Albertville aus verbringen durfte, sehr gut. Bei meinem Aufenthalt in Chamonix Jahre später war Megeve leider bereits geschlossen.
Balme - Vallorcine
Das Skigebiet von Balme und Vallorcine liegt direkt auf der Schweiz-Französischen Grenze und gehört zu den Skigebieten von Chamonix. Le Tour auf französischer Seite oder Vallorcine auf schweizer Seite sind die Ausgangspunkt. Von beiden Seiten bringen 10er Gondeln den Wintersportler bis auf 1850m. Dort warten dann weitere 2 Sessellifte und 5 Schlepplifte in einem sehr weitläufigen Gelände oberhalb der Baumgrenze. Bei guter Schneelage ist es ein Paradies für Tiefschneefahrer, die in recht einfachem Gelände für größere Aufgaben üben können. Der Tete de Balme ist mit 2250m der höchste Piunkt des Skigebietes. Die gewalzten Pisten sind perfekt zum Carven und die Aussicht vom Restaurant Charamillon auf das ganze Tal von Chamonix ist atemberaubend. Ich hatte an Ostern 2026 super Wetter, leider aber auch sehr warme Temperaturen und dadurch Frühjahrsschnee. Der Skibus verbindet Chamonix mit Tour regelmäßig und auch der Skipass ist in dem von Chamonix integriert. Mein Tipp wäre jedoch der Unlimeted Skipass von Chamonix, in dem neben den drei Skigebieten rund um um Chamonix auch Megeve, in Italien Courmayeur und sogar das schweizerische Crans Montana inkludiert sind.
Brevent - Flegere
Der mondäne Wintersportort Chamonix am Fusse des Mont Blanc hat mehrere Skigebiete in seinem Stadtgebiet. Das von der Anzahl der Lifte her größte Skigebiet ist unterhalb des 2525m hohen Le Brevent der Zusammenschluss der Skigebiete Brevent und Flegere. Zusammen sind es 18 Lifte, 56km Piste und immer ein sensationeller Blick auf den gegenüberliegenden Mont Blanc. Oberhalb der Baumgrenze wartet ein großartiges Gelände für jede Könnerstufe. Direkt unterhalb des 1895m hohen Flegere und des dortigen Bergrestaurants findet man die grün markierten Anfängerpisten. In Frankreich gibt es ja vier Farben, um die Pisten von der Schwierigkeit her zu markieren. Grün ist einfach, blau ist mittelschwer, rot ist schwierig und schwarz ist sehr schwierig. Die überwiegende Mehrzahl der Pisten in Flegere ist rot markiert und somit schon anspruchsvoll. Die Streckenführung ist genial. Pisten wie Crochues oder Lachenal wurden traumhaft um die riesigen Felsen gelegt und bieten richtig genussvolles Skifahren auf bestens präparierten Pisten. Die Gondelbahn Liaison verbindet die beiden Skigebiete miteinander. Brevent ist ein klein wenig einfacher zu befahren, bietet jedoch mit der Brevent Großraumgondel die Fahrt auf den Gipfel, von dem ein Tunnel zur ausschließlich schwarze markierten Piste für Experten führt. Wer sich dort nicht hinunter traut, der kann nur die phantastische Aussicht geniessen oder den zahlreich hier startenden Paraglidern zuschauen.
Für mich ist das Zwillingsskigebiet Brevent und Flegere ein perfekt zu Chamonix passendes Resort. Das internationale Publikum, das in Chamonix hauptsächlich aus den USA, England und Asien ist, kann an mehreren Bars im Skigebiet Champagner genossen werden, während DJ´s Beats auflegen. Der Blick ist unbezahlbar und den lassen sich die Bars und Restaurants dort oben auch bezahlen. Eine Coca Cola für 6.- Euro für die 0,33l Dose ist das keine Seltenheit.
Leider war bei meinem Besuch an Ostern 2026 die Verbindungsgondel Liaison aufgrund von Lawinengefahr geschlossen. Dadurch konnte ich nur einen Eindruck von Flegere bekommen. Der war aber so gut, daß ich mit Sicherheit sagen kann, dass es sich bei diesem Skigebiet um eines der besten in Frankreich handelt wenn man Areal, Liftanzahl und Panorama vergleicht.
Auch hier empfehle ich den Unlimited Skipass, der neben den 5 Skigebieten auch die Skibusse inkludiert.
Les Grands Montets
Für den normalen Skifahrer ist es ein kleines Skigebiet mit gut präparierten Pisten in einer Höhe bis 3275m unterhalb des Grands Montets, für Freerider und Tourengänger ist das Skigebiet von Le Grands Montets jedoch ein Mekka. Einmal im Leben muss jeder Freerider mindestens hier gefahren sein. Dabei sind vor allem die markierten, aber nie präparierten, steilen Hänge im oberen Bereich entlang der Gletscher Argentiere und des Rognons beliebt. 7 Liftanlagen bringen die Wintersportler vom kleinen Wintersportort Argentiere wenige Kilometer außerhalb Chamonixs in das schneesichere Skigebiet. Bis Mai kann man hier im Tiefschnee wedeln oder weiter unten auf bestens gewalzten Pisten carven.
Bei meinem Besuch an Ostern 2026 war die Gondel zum Grands Montets aufgrund von Bauarbeiten geschlossen, so daß uns der oberste und beste Teil des Skigebietes verschlossen blieb. Doch schon die geöffneten 27km Pisten haben mir ausgezeichnet gefallen. Anfänger sind in diesem Skigebiet ohne Zweifel nicht gut aufgehoben. Selbst die blau markierten Pisten wären in anderen Resorts bereits rote oder gar schwarz markierte Hänge. Anfängerhänge findet man in Argentiere nur direkt im Ort gleich neben der Talstation der Gondel.
Der Plan Joran Food Court mit Selbstbedienungsrestaurant sorgt für erstklassige Verpflegung. Mehrere kleine Skibars stillen unterwegs in teilweise spektakulärer Lage den Durst. Buvette de la Pendant hat mir am besten gefallen. Die kleine Holzhütte liegt am Einstieg zum alten Sessellift Retour Pendant mit grandioser Aussicht auf den Mont Blanc und einem kleinen hölzernen Toilettenhäuschen gleich nebenan. Günstig ist es in Grands Montets aber nirgends. Eine Cola für 5.- Euro ist das noch günstig.
Der Unlimeted Skipass in Chamonix beinhaltet auch Grands Montets und ist die Sache auf jeden Fall wert. Neben Grands Montets, Brevent, Flegere und Balme in Champonix, kann man mit diesem Pass auch die Skigebiete von Megeve und Courmayeur besuchen. Noch interessanter und vom Panorama her unschlagbar ist die Seilbahnfahrt hinauf zum Aussichtspunkt Aiguille du Midi in 3800m Höhe.
Ebenfalls inkludiert und ein Höhepunkt jeder Reise nach Chamonix ist die Zugfahrt hinauf zum Montenvers und der dortigen Gletscherhöhle. Wermöchte und das notwendige Kleingeld hat, kann auch im Grand Hotel Montenvers übernachten und nachts den Sternenhimmel über dem Mont Blanc beobachten.
Le Grands Montets ist so nicht nur ein herausragendes Skigebiet, sondern auch einer meiner "1000 places to see before you die",

Jürgen (Sonntag, 19 Juni 2022 14:08)
Hallo Olli.
Wusste nicht, dass Du Amerika, mein liebstes Urlaubsland inklusive Hawaii so gut kennst.
Da müssen wir mal bei einem Bier drüber sprechen.
Liebe Grüße
Jürgen
Omamama (Sonntag, 14 November 2021 18:35)
Da kann ich nur zustimmen, da ich dieses Durcheinander am eigenen Leib erfahren musste.