Das Königreich Belgien ist mit 30 000qkm ein sehr kleiner Staat und hat doch so viel zu bieten. Mit 11 Millionen Einwohnern ist es sogar einer der am dichtesten besiedelten Länder der Erde. Viel Natur ist demnach nicht zu erwarten, sieht man einmal von sehr vielen schönen Nordsee-Stränden rund um Ostende ab. In Belgien begeistern hauptsächlich Bauwerke und natürlich das Essen, und das in den drei wichtigsten Städten Brüssel, Antwerpen und Brügge. Dort liegen auch die im Reisebuch-Klassiker aufgeführten "1000 Places"-Punkte.
Ich war schon ein paar mal in Belgien und habe die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gesehen. Schon damals ist mir der ewige Streit zwischen den niederländisch sprechenden Flamen im Norden und den französisch sprachigen Wallonen im Süden aufgefallen, der im Laufe der Jahre schon zu zahlreichen politischen Problemen geführt hat. Nur das belgische Königshaus eint noch die Belgier. Deren Schloss befindet sich in der Hauptstadt Brüssel und ist eine der grössten Sehenswürdigkeiten.
Belgien ist Gründungsmitglied der Europäischen Union, deren wichtigste Institutionen in seiner Hauptstadt Brüssel ihren Sitz haben. Des weiteren zählt Belgien mit seinen Nachbarn Niederlande und Luxemburg auch zu der Wirtschaftsunion Benelux.
Mir haben bei meinen Besuchen Brüssel und Antwerpen am besten gefallen.
Brüssel
Brüssel ist mit 1,1 Millionen Einwohnern die grösste und wichtigste Stadt Belgiens. Sie ist Haupt- und Residenzstadt des Königreichs Belgien, Hauptsitz der Europäischen Union und Sitz der NATO. Nur wenige Städte der Welt haben eine solche Dichte an Beamten und somit auch an Hotels. Das Europaviertel ist sehr modern und besteht hauptsächlich aus Bürogebäuden. Aus touristischer Sicht interessant wird es im Zentrum, dem so genannten Pentagon. Dort findet man die grössten Sehenswürdigkeiten mit dem Königspalast und der Kathedrale.
Der Grote Markt ist der zentrale Platz der belgischen Hauptstadt und eines ihrer Wahrzeichen. Mit dem gotischen Rathaus und seiner geschlossenen barocken Fassadenfront gilt er als einer der schönsten Plätze Europas und wurde 1998 in die Liste der UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen.
Ganz in der Nähe steht auf einem sonst recht unscheinbaren Brunnen das bekannteste Wahrzeichen ganz Belgiens, das Manneken Pis. Diese 61cm hohe Brunnenfigur eine urinierenden Knaben wurde bereits 1619 von einem Brüsseler Bildhauer geschaffen. An besonderen tagen wird das Menneken auch mit Kostümen geschmückt. Bei meinem letzten Besuch war das Männlein anlässlich des Belgischen Nationalfeiertages in Uniform gekleidet.
Meine beiden lokalen Guides haben mir natürlich auch die Küche des Landes näher gebracht. Tagsüber gab es natürlich Pommes Frites, die hier in Belgien erfunden wurden und nur dort an Imbissbuden mit weit über 30 Saucen zu kosten sind. Komischerweise schmecken die Pommes dort noch besser, als überall anders auf der Welt. Das gilt auch für die nicht minder bekannten Belgischen Waffeln, deren schmackhaftesten Varianten aus Brüssel kommen sollen. Und letztlich als Nachtisch die besten Pralinen der Welt. Auch die kommen bekanntlich aus Belgien bzw. Brüssel.
Fährt man durch Belgien oder läuft durch Brüssel, so kommt man immer wieder an kleinen Brauereien vorbei. Etwa 140 Brauereien gibt es in diesem kleinen Land deren Einwohner auch die stärksten Biertrinker der Welt sind. Über 1000 Biervarianten haben das belgische Bier sogar zum UNESCO Weltkulturerbe gemacht. Auch wenn ich kein Bierfreund bin, so war es bei meinen Besuchen dort doch beeindruckend, aus wie vielen Sorten man in den Kneipen der Stadt wählen kann. Die bekanntesten Biersorten sind Jupiter und natürlich Stella Artois. Bei einer Flusskreuzfahrt von Köln nach Antwerpen mit der A-Rosa Sena 2025 nahm ich sogar an einem Ausflug teil, der die Teilnehmer nicht nur in die Altstadt Antwerpens, sondern auch in zwei der unzähligen Kneipen der Stadt, wo man die unterschiedlichsten Biersorten kosten konnte.
Antwerpen
Die Stadt an der Schelde gefiel mir schon vom Schiff aus bei der Anreise am frühen Abend. Hatten wir den großen Hafen passiert, kam bereits die berühmte Altstadt in den Blick. Herausragend ist die gotische Kathedrale mit ihrem 123m hohen weißen Turm. Sie ist von überall aus zu sehen und bildet das Herz der Stadt. Die Liebfrauenkathedrale zählt zu den beiden in Antwerpen beheimateten "1000 Places to see before you die". Die Kirche ist nicht nur architektonisch herausragend. Zwei der großartigen frühen Meisterwerke des flämischen Barockmalers Peter Paul Rubens, die Kreuzaufrichtung und die Kreuzabnahme aus den Jahren 1610 und 1611 sind noch heute dort zu bewundern. Nur für Kunstfreunde und Fans von Rubens ist auch das Rubenshaus, in dem Rubens wohnte, einer der "1000 Places to see before you die". Ich bin kein großer Kunstfreund und verzichtete auf eine Besichtigung. Mein Interesse galt eher den anderen Dingen, für die Antwerpen inzwischen berühmt ist. Da sind zum einen Diamanten. Antwerpen ist der grüßte Umschlagplatz für Diamanten weltweit. Ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs liegt das jahrhundertealte Diamantenviertel, in dem sich Tausende, meist jüdische, Diamantenhändler angesiedelt haben. Das Viertel ist nicht sonderlich schön, besteht aber fast ausschließlich aus Schmuckgeschäften und ist dadurch einer der Orte, den Schmuckfreunde auf jeden Fall besucht haben sollten.
Zum anderen ist da die Schokolade. Direkt gegenüber des architektonisch herausragenden Bahnhofs liegt das Schokoladenmuseum. Hier wird gezeigt, wie Antwerpener Schokolade produziert wird und man kann natürlich an 14 Schokoquellen die jeweilige Geschmacksrichtung kosten. Das Paradies für Schokoladenfreunde und definitiv ein Museum, das man auf jeden Fall besucht haben sollte. Bepackt mit Tüten voller Schokogeschenke für die Daheimgebliebenen geht es quer durch die Stadt zurück in die Altstadt. Vorbei geht es an sehenswerten Gildehäusern, dem großen Rathaus und vielen anderen Gebäuden im Stil der flämischen Renaissance. Das beste Beispiel dafür ist der im Zentrum der Altstadt gelegene Grote Markt. Um ihn herum reihen sich, wie in der gesamten Altstadt, unzählige Restaurants, Cafes und Kneipen. Wer möchte und die Zeit dazu hat, kann in Antwerpen jeden tag des Jahres in einem anderen Restaurant Essen gehen. In einer Stadt mit "nur" rund 500 000 Einwohnern ist das eine echte Seltenheit.
Antwerpen war im 15. und 16. Jahrhundert eine der größten Städte der Welt und die wichtigste Handelsmetropole Europas. Noch heute hat die Stadt den zweitgrößten Seehafen Europas. Dank der sehr sehenswerten Altstadt, dem Diamantenviertel, dem Rubenshaus und den zahlreichen Brauereien ist Antwerpen eine Stadt die man auf jeden Fall einmal im Leben besucht haben sollte.

Jürgen (Sonntag, 19 Juni 2022 14:08)
Hallo Olli.
Wusste nicht, dass Du Amerika, mein liebstes Urlaubsland inklusive Hawaii so gut kennst.
Da müssen wir mal bei einem Bier drüber sprechen.
Liebe Grüße
Jürgen
Omamama (Sonntag, 14 November 2021 18:35)
Da kann ich nur zustimmen, da ich dieses Durcheinander am eigenen Leib erfahren musste.